4. GU an der GGS Donrath

4.1 Aufnahme in den GU


Die Anzahl der Kinder, die im GU unterrichtet werden können, richtet sich für unsere Schule nach den zur Verfügung stehenden Unterrichtsstunden der Sonderpädagogin. Die Aufnahme erfolgt aufgrund einer Entscheidung der Schulaufsichtsbehörde nach Abschluss eines AO-SF (Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und Bestimmung des schulischen Förderortes für den Schüler/die Schülerin), welches durch die Schule oder die Eltern durch einen Antrag eingeleitet werden kann. Das AO-SF wird durch eine Grundschullehrkraft und eine Sonderschullehrkraft geführt. In jedem Schuljahr wird geprüft, ob der sonderpädagogische Förderbedarf noch weiter gegeben ist.

 

4.2 Kooperation

 

Elternzusammenarbeit

 

Elternzusammenarbeit ist einer der wichtigsten Bereiche im GU. Die Eltern kennen ihre Kinder am besten und sind als Dialogpartner in jegliche Prozesse mit einzubeziehen. Dies ist auch im neuen Schulgesetz verankert (§44ff). Elternarbeit umfasst an der GGS Donrath bezüglich des GU folgende Bereiche:

 

·         Information (rund um AO-SF)

·         Gesprächsführung (Moderation)

·         Kommunikation (Aktives Zuhören etc.)

·         Beratung (in Bezug auf Probleme etc.)

·         Aktionsebenen der Elternarbeit (Elternabend, Elterngespräche etc.)

 

Es geht nicht um die Arbeit an oder für Eltern, sondern um das Suchen und die Aufrechterhaltung eines Dialoges mit den Eltern, der als offener Austausch und kooperatives Handeln unter der Wahrung des Grundrechtes auf Selbstbestimmung jedes Partners verstanden wird. Hierbei ist uns wichtig, dass Eltern und Fachleute sich als Partner mit ihren erworbenen Kompetenzen gegenseitig ergänzen ohne einander zu bevormunden. Auf Grundlage gegenseitiger Achtung sollen Informationen und Fähigkeiten der Beteiligten, (Expertenwissen und –können seitens der Lehrkraft und individualisiertes Wissen und Verstehen des Kindes seitens der Eltern) Berechtigung erfahren.

 

Zusammenarbeit Sonderpädagogin und GrundschullehrerInnen

 

Die Zusammenarbeit mit den Teamkollegen ist eine der zentralen wichtigen Aufgaben im GU. Wir fassen uns als Team auf, dass das Kind ganzheitlich, aus den unterschiedlichen fachlichen Hintergründen betrachtet und fördern kann. Hierbei ist wichtig, dass man sich im Team ergänzt und abspricht. Aufgrund dessen finden regelmäßige gemeinsame Gespräche und kollegiale Fachberatungen statt. Elterngespräche, wie auch Elternabende werden gemeinsam geplant und durchgeführt, Förderpläne werden gemeinsam besprochen, entsprechende Maßnahmen festgelegt und evaluiert, individuelle Hausaufgabenpläne werden aufgestellt und differenziert. Die Absprache ist wichtig um Fördermaßnahmen optimal umsetzen zu können. Durch die enge Zusammenarbeit an unserer Schule entstehen viele Chancen und Möglichkeiten für alle Beteiligten:

 

-          Ganzheitliche Sichtweise auf das Kind

-          Im Team können individuelle Fähigkeiten eingebracht werden (Nutzung verschiedener Kompetenzen → Kompetenztransfer)

-          Gemeinsame Verantwortung

-          Arbeitserleichterung von Einzelpersonen

-          Differenziertes und individuelleres Förderangebot für SchülerInnen, durch mehrperspektivische Sichtweisen

 

Außerschulische Kooperation

 

Auch die außerschulische Kooperation ist ein wichtiger Bestandteil des GU. Die GGS Donrath kooperiert intensiv mit dem schulpsychologischen Dienst, mit den jeweiligen Jugendämtern, mit Ergotherapeuten, Logopäden, mit Kinderpsychologen und –psychiatern, mit Kinderärzten und allen weiteren Institutionen, die mit dem Kind zu tun haben. Diese Kooperationen sind äußerst wichtig, um das Kind ganzheitlich betrachten und optimal fördern zu können.

 

4.3 Diagnostik

 

Grundlegend kann man sagen, dass es zwei Arten von Diagnostik gibt: Förderdiagnostik und Feststellungsdiagnostik. Die Förderdiagnostik bezieht sich hierbei auf den laufenden Lernprozess, während sich die Feststellungsdiagnostik nur auf den Ist-Stand des Kindes bezieht. Die Feststellungsdiagnostik sieht dabei den Menschen als Symptomträger und ist somit defizitorientiert. Hierbei ist der Paradigmenwechsel in der Diagnostik zu erwähnen. Diagnostik bedeutet heutzutage nicht mehr Messen und Festschreiben sogenannter unveränderlicher Eigenschaften des Menschen – besonders auch seiner Defizite- wie es früher oftmals der Fall war, sondern das vorläufige und immer wieder als Hypothese verstandene Erfassen und Verstehen seiner Entwicklung, seines Handelns, seiner Lösungsstrategien.

 

Um die Förderung individuell auf den Lern- und Entwicklungsstand eines Kindes abzustimmen, bedienen wir uns an der GGS Donrath der Mitteln der Förderdiagnostik.

 

 Förderdiagnostik ist Lern- und Entwicklungsdiagnostik

-          Förderdiagnostik bleibt nicht beim Erfassen des momentanen Lern- und Entwicklungsstandes stehen, sondern sucht sich die Zone der nächsten Entwicklung

-          Um die nächste Zone der Entwicklung zu erreichen, werden geeignete Angebote und Maßnahmen ermittelt

 

Förderdiagnostik ist ganzheitlich und kompetenzorientiert

-          Erfassung der Gesamtpersönlichkeit

-          Einbezug von Fähigkeiten, Kompetenzen, Stärken, Neugier, Vorlieben, Interessen

-          Abneigungen, Vermeidungen

 

Bei der Förderdiagnostik ist Beobachtung ein sehr wichtiges Diagnoseinstrument. Dabei gibt es unterschiedliche Formen der Beobachtung:

 

-          Gelegenheitsbeobachtung

-          Gezielte Beobachtung

-          Dauer- und Langzeitbeobachtung

-          Systematische Kurzzeitbeobachtung

-          Die Beobachtung in standardisierten Situationen

 

Aus einer Gelegenheitsbeobachtung ergibt sich meist eine gezielte Beobachtung, bei der man sich anhand bestimmter Leitfragen orientiert. Aus dieser gezielten Beobachtung resultiert die Langzeitbeobachtung. Diese Langzeitbeobachtung kann schriftlich in Form von Förderplänen und regelmäßiger Evaluation festgehalten werden. Durch unser Schulspiel erhalten wir die Möglichkeit, in einer ersten Beobachtung einen Eindruck von den Kindern zu bekommen.

Zudem werden auch zwischendurch Tests durchgeführt. Als mögliche Tests haben wir den CFT1, den CFT20 und den K-ABC zur Verfügung. Des Weiteren verfügen wir noch über ausreichend Testmaterial zur Feststellung des Leistungsstandes in verschiedenen Fächern. Tests sind nicht ausschlaggebend und die Beobachtung als Diagnoseinstrument ist bei einer ganzheitlichen Betrachtung eines Kindes unverzichtbar, allerdings können sie Hinweise bezüglich Stärken und Schwächen geben und somit die Beobachtungen bestätigen oder aber in Frage stellen, so dass eine genauere Überprüfung entscheidend sein könnte.

Ziel einer jeglichen Beobachtung und anderer Mittel der Förderdiagnostik ist die Erstellung eines Förderplans.

 

 

4.4 Förderplan der GGS Donrath

 

Das AO-SF endet mit Vorschlägen der individuellen Förderung des Kindes: Die sonderpädagogische Förderung ist ein Versprechen, dass es einzuhalten gilt! Hier gibt es verschiedene Risikoebenen: Risiken auf Strukturebene (räumlich, materiell, personell, konzeptionell), Risiken auf Prozessebene und Risiken auf Ergebnisebene. Durch unser ganzheitliches Konzept versuchen wir diese Risiken so weit wie möglich zu minimieren. Hierfür steht unserer Sonderpädagogin ein eigener Förderraum mit verschiedenen Bereichen zu Verfügung, es besteht eine enge Teamarbeit und Förderpläne werden gemeinsam besprochen und evaluiert.

Ein Förderplan nutzt den Schülern, wie auch den Lehrern. Er gilt als Arbeitsplan, den es nach Möglichkeit einzuhalten gilt, wenn nicht wird er evaluiert und eventuelle Verbesserungen verschriftlicht. Um eine optimale Nutzung und Umsetzung eines Förderplanes zu gewährleisten sind uns folgende Aspekte bei der Umsetzung wichtig (orientiert an Wiedlak/Witt):

 

-          Qualitätsstandards: fachlich und sachlich richtig, vielschichtig, begrenzt und schwerpunktsetzend, kommunizierbar und gewinnbringend, individuell, ökonomisch, unterrichtsrelevant, dokumentiert, evaluierbar

-          Konkretisieren der Förderplanung: je konkreter in Bezug auf Förderanlässe und Fördersituation, desto wahrscheinlicher die Umsetzung

-          Erstellen des Förderplans: gemäß Absprache mit Kollegen, schulinterne Vereinbarungen

-          Handhabung des Förderplans: Zugänglichkeit, Dokumentieren von Modifizierungen

-          Evaluation des Förderplans: Erreichung des Förderziels, Fördersituationen, Rahmenbedingungen, Fortführung, neues Förderziel, etc.

 

Die Förderpläne der GGS Donrath sind folgendermaßen aufgebaut:

  1. Skizzierung des aktuellen Ist-Standes bzgl. aller Entwicklungs-  und Lernbereiche (Deutsch etc.), lebenspraktischer Förderung und besonderer Situationen (Pflegefamilie, Trennung der Eltern, etc.)
  2. Auswahl einiger (2-3) vordringlicher Entwicklungsbereiche Formulierung des Förderbedarfs (Teambeschluss)
  3. Formulierung konkreter Maßnahmen bezogen auf den Förderbedarf (ein Schuljahr)
  4. Zwischenergebnisse und Auswertung

 

 

4.5 Förderung an der GGS Donrath

 

„Fördern heißt entwicklungs- und fachbezogenes Lernen“ zu ermöglichen (Schmischke/Braun 2006)

 

Die SchülerInnen mit Förderbedarf der GGS Donrath werden gemeinsam mit ihren MitschüleInnen an gleichen Inhalten und in Bezug auf unterschiedliche Entwicklungsbereiche niveaudifferenziert unterrichtet.

Sonderpädagogischer Unterricht bedeutet fach- und entwicklungsbezogener Unterricht (KMK 1999). „Bei der Unterrichtsplanung müssen die Entwicklungsbereiche bzw. deren Unteraspekte mit den jeweiligen fachlichen Anforderungen sinnvoll verknüpft werden. Dabei stehen beide Bausteine in einer dynamischen Balance zueinander, was bedeutet, dass die Gewichtung unterschiedlich sein kann.“ (SCHMISCHKE/ BRAUN 2006, 348).

 

In jedem Jahrgang gibt es meistens eine sogenannte Integrationsklasse (Flexstufe: 2 Klassen). Die Schülerzahl in diesen Klassen versuchen wir wegen des erhöhten Betreuungsbedarfs niedriger zu halten. Die Klassenlehrerin und die Sonderpädagogin, die mit ihrer vollen Stelle an der Schule ist, arbeiten sowohl in der Planung als auch im Unterricht eng zusammen. Die Schüler mit dem sonderpädagogischem Förderbedarf werden bei uns im Klassenverband und in Einzel- oder Kleingruppenunterricht betreut, der in der Regel in einem extra ausgestatteten Raum erfolgt. Dieser Raum bietet neben der Arbeit mit Schulmaterial und speziellem Material zur Förderung auch die Möglichkeit, Entspannungseinlagen, Spiele und Psychomotorik durchzuführen. Je mehr Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf sich in einer Klasse befinden, desto häufiger ist eine Parallelbesetzung von Klassen- und Sonderschullehrerin möglich.

Die SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben Anspruch auf eine individuelle und differenzierte Förderung. Diese Förderung kann man an der GGS Donrath an folgenden Aspekten festmachen:

 

-          Manche SchülerInnen bekommen von der Sonderpädagogin spezielle Materialien, ihrem Förderschwerpunkt und damit ihrem Leistungsvermögen angepasst (insb. bei zieldifferenter Förderung)

-          Manche SchülerInnen bekommen gesonderte Unterstützung durch die Sonderpädagogin um zielgleich unterrichtet werden zu können

-          Es werden von den Lehrern und von der Sonderpädagogin gesonderte Fördergruppen zu bestimmten Schwerpunkten gebildet

-          Die Sonderpädagogin fördert die SuS im Unterricht in der Gesamtgruppe (unterstützend zu gleichen fachlichen Inhalten) oder in Einzelförderung oder in kleinen Gruppen außerhalb des Klassenunterrichtes mit lehrplanorientierten und förderschwerpunktspezifischen Inhalten

-          Jedes Jahr wird ein Förderplan erstellt, indem der Ist-Stand, die Förderziele und konkrete Fördermaßnahmen festgehalten werden

-          Förderplan wird halbjährlich evaluiert

-          Jährliche Überprüfung des Förderbedarfes

-          Regelmäßige Elterngespräche

 

Gerade für SchülerInnen mit sonderpädagogischen Förderbedarf ist der handlungs- und produktionsorientierter Unterricht eine gute Unterrichtsform um ihren individuellen Bedürfnissen gerecht werden zu können. Somit ist der handlungs- und produktionsorientierte Unterricht eine wesentliche Form des Unterrichtens an der GGS Donrath.

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