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Gemeinsames Lernen 

Gemeinsames Lernen an der Aggertalschule Donrath

Konzept zur Förderung von SchülerInnen im Gemeinsamen Lernen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

An der Aggertalschule Donrath werden seit 20 Jahren Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam unterrichtet. Aus dem Gemeinsamen Unterricht ist ein Gemeinsames Lernen geworden. Von den mit allen Beteiligten weiterentwickelten Förderkonzepten sollen optimalerweise alle SchülerInnen profitieren.

Momentan arbeiten zwei Sonderpädagoginnen mit teils unterschiedlichen Schwerpunkten an der Schule. Regulär steht wahrscheinlich in Zukunft einer zweizügigen Schule eine Sonderschullehrkraft zur Verfügung. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Sonderpädagogenstunden ist dabei weitestgehend unabhängig von der Zahl der zu fördernden Schüler. Wie viele Stunde jede Klasse mit einer Sonderschullehrkraft besetzt ist variiert je nach Bedarf und verfügbaren Stunden.

1. Rechtliche Grundlagen

Um dem Ziel einer inklusiven Gesellschaft näher zu kommen, wurde bereits 1994 in der Salamanca Erklärung zur Pädagogik für besondere Bedürfnisse festgestellt, dass die gemeinsame Beschulung das beste Mittel ist, um diskriminierende Haltungen zu bekämpfen, um Gemeinschaften zu schaffen, die alle willkommen heißen, um eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und um Bildung für alle zu erreichen. So rückt durch die UN-Konvention zudem das Recht von Menschen mit Behinderung auf Bildung ohne Diskriminierung und im Rahmen der Chancengleichheit in den Mittelpunkt. Um dieses Recht zu beachten, fordert der Deutsche Bundestag, dass SchülerInnen mit einer Behinderung nicht aufgrund dieser vom Besuch einer allgemeinen Grundschule ausgeschlossen werden dürfen. Innerhalb des allgemeinen Bildungssystems sollen angemessene Vorkehrungen getroffen und die nötige Unterstützung geleistet werden um eine erfolgreiche Bildung zu gewährleisten.

2. Förderschwerpunkte

In Anbetracht der UN-Konvention sollte die Möglichkeit des Gemeinsamen Lernens für alle SchülerInnen bestehen, unabhängig von jeglicher Behinderung.

Dies ist auch das Ziel des GL (Gemeinsames Lernen) an der Aggertalschule Donrath. Es werden SchülerInnen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf unterrichtet. Bisher konnten in fast sämtlichen Förderschwerpunkten SchülerInnen an der Schule gefördert werden (Lernen, Sprache, Emotionale und soziale Entwicklung, Körperliche und motorische Entwicklung, Hören und Kommunikation, Sehen). Die Förderschwerpunkte richten sich nach der Verordnung über die sonderpädagogische Förderung, den Hausunterricht und die Schule für Kranke, Ausbildungsordnung gemäß § 52 SchulG - AO-SF.

Demnach lassen sich folgende Förderschwerpunkte unterscheiden:

AO-SF        § 5       Lern- und Entwicklungsstörungen (LES)

                              Förderschwerpunkt Lernen (1)

                              Förderschwerpunkt Sprache (2)

                              Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung (3)

                  § 6       Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

                  § 7       Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung

                  § 8       Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation

                  § 9       Förderschwerpunkt Sehen

                  § 10     Schwerstbehinderung

Die SchülerInnen werden, falls vorhanden, nach den entsprechenden Richtlinien und Lehrplänen ihrer individuellen Förderschwerpunkte oder aber nach den Grundschulrichtlinien unterrichtet. Dies ist davon abhängig, ob SchülerInnen zielgleich oder zieldifferent unterrichtet werden sollen. Die Entscheidung über eine zielgleiche oder zieldifferente Förderung hängt vom festgestellten sonderpädagogischen Förderschwerpunkt, wie auch von der individuellen Entwicklung des Kindes ab. Da der Förderbedarf der SchülerInnen mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf jährlich überprüft wird, ist ein Wechsel des Förderschwerpunktes oder auch die Aufhebung des Förderbedarfs bei entsprechender Entwicklung des Kindes jährlich möglich. Aufgrund des Gemeinsamen Lernens kann in diesen Fällen meist ein Schulwechsel vermieden werden. Das Kind bleibt in seiner gewohnten Umgebung und kann dort seinen Bedürfnissen entsprechend gefördert werden. Diese Flexibilität ist nur im Rahmen eines Gemeinsamen Lernens möglich und weist das Kind nicht ausschließlich anhand seiner schulischen Leistungen einer Schulform zu, sondern versucht auch den emotionalen und sozialen Bedürfnissen des Kindes gerecht zu werden, indem sein soziales Umfeld nach Möglichkeit erhalten bleibt.

Grenzen des GL

Trotz der Bemühungen von Seiten aller am Erziehungsprozess Beteiligten gibt es immer wieder Kinder, für die ein Wechsel oder die direkte Aufnahme an eine Förderschule Sinn machen kann. Wenn bei Kindern mit einem Förderschwerpunkt immer deutlicher wird, dass sie trotz immenser Anstrengungen an Grenzen geraten und somit ein Leidensdruck bei den Kindern entsteht, wäre ein Wechsel an eine Förderschule eine mögliche Option.

Auch benötigen manche Kinder eine intensivere Betreuung als im GL möglich, z.B. durch eine kontinuierliche sonderpädagogische Unterstützung in einem kleineren Klassenverband. Diese Entscheidungen mit all ihren Pros, Contras und Konsequenzen, werden mit den Eltern gemeinsam getroffen. Dabei spielt der Elternwunsch eine große Rolle.

3. AO-SF Handreichung

Die Verordnung über die sonderpädagogische Förderung, den Hausunterricht und die Schule für Kranke, Ausbildungsordnung gemäß § 52 SchulG-AO-SF definiert alle Förderschwerpunkte und die Rahmenbedingungen der Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs. Auf Basis der AO-SF (Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung) formuliert das Schulamt für den Rhein-Sieg-Kreis einen Leitfaden zur Durchführung der Verfahren nach der AO-SF, der in bestimmten Zeitabständen aktualisiert wird.

4. Gemeinsames Lernen an der Aggertalschule Donrath

4.1 Aufnahme in das GL

Prinzipiell befinden sich alle Kinder im GL. Die Entscheidung, ob bei einem Kind sonderpädagogischer Förderbedarf vorliegt oder nicht wird von der Schulaufsichtsbehörde nach Abschluss eines AO-SF (Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und Bestimmung des schulischen Förderortes für den Schüler/die Schülerin) getroffen. Dieses AO-SF wird in erster Linie durch die Eltern in Absprache mit der Schule durch einen Antrag eingeleitet. In bestimmten Fällen kann auch die Schule den Antrag einleiten. Das AO-SF wird durch eine Grundschullehrkraft und eine Sonderschullehrkraft geführt. In jedem Schuljahr wird geprüft, ob der sonderpädagogische Förderbedarf noch weiter gegeben ist.

4.2 Kooperation

Elternzusammenarbeit

Elternzusammenarbeit ist einer der wichtigsten Bereiche im GL. Die Eltern kennen ihre Kinder am besten und sind als Dialogpartner in jegliche Prozesse mit einzubeziehen. Dies ist auch im neuen Schulgesetz verankert (§44ff).

Es geht nicht um die Arbeit an oder für Eltern, sondern um das Suchen und die Aufrechterhaltung eines Dialoges mit den Eltern, der als offener Austausch und kooperatives Handeln unter der Wahrung des Grundrechtes auf Selbstbestimmung jedes Partners verstanden wird. Hierbei ist uns wichtig, dass Eltern und Fachleute sich als Partner mit ihren erworbenen Kompetenzen gegenseitig ergänzen. Auf Grundlage gegenseitiger Achtung sollen Informationen und Fähigkeiten der Beteiligten Berechtigung erfahren.

Zusammenarbeit Grundschullehrkräfte und Sonderschullehrkräfte

Die Zusammenarbeit mit den Teamkollegen ist eine der zentralen Aufgaben im GL. Wir sehen uns als Team an, das das Kind ganzheitlich, aus den unterschiedlichen fachlichen Hintergründen betrachtet und fördern kann. Hierbei ist wichtig, dass man sich im Team ergänzt und abspricht. Aufgrund dessen finden regelmäßige gemeinsame Gespräche und kollegiale Fachberatungen statt. Dies ist besonders deshalb wichtig, weil der Unterricht überwiegend von den Grundschullehrkräften gegeben wird. Elterngespräche, wie auch Elternabende werden gemeinsam geplant und durchgeführt, Förderpläne werden gemeinsam besprochen, entsprechende Maßnahmen festgelegt und evaluiert, ggf. werden individuelle Hausaufgaben- und Arbeitspläne aufgestellt. Die Absprache ist wichtig um Fördermaßnahmen optimal umsetzen zu können. Durch die enge Zusammenarbeit an unserer Schule entstehen viele Chancen und Möglichkeiten für alle Beteiligten:

  • Ganzheitliche Sichtweise auf das Kind
  • Im Team können individuelle Fähigkeiten eingebracht werden (Nutzung verschiedener Kompetenzen ? Kompetenztransfer)
  • Gemeinsame Verantwortung
  • Differenziertes und individuelleres Förderangebot für SchülerInnen, durch mehrperspektivische Sichtweisen
  • Nach Möglichkeit begleiten die Sonderpädagogen eine Stufe immer 4 Jahre, dadurch entsteht eine hohe Kontinuität.

Außerschulische Kooperation

Auch die außerschulische Kooperation ist ein wichtiger Bestandteil des GL. Die Aggertalschule Donrath kooperiert intensiv mit dem Schulpsychologischen Dienst, mit den jeweiligen Jugendämtern, mit Ergotherapeuten, Logopäden, mit Kinderpsychologen und –psychiatern, mit Kinderärzten, Kindergärten, den weiterführenden Schulen und allen weiteren Institutionen, die mit dem Kind zu tun haben. Diese Kooperationen sind äußerst wichtig, um das Kind ganzheitlich betrachten zu können, denn nur wenn alle ihre verschiedenen Erfahrungen und ihr Fachwissen zusammentragen, kann man das Kind optimal fördern.

4.3 Diagnostik

Um die Förderung individuell auf den Lern- und Entwicklungsstand eines Kindes abzustimmen, bedienen wir uns an der Aggertalschule Donrath in erster Linie der Mittel der Förderdiagnostik.

 Förderdiagnostik ist Lern- und Entwicklungsdiagnostik

  • Förderdiagnostik bleibt nicht beim Erfassen des momentanen Lern- und Entwicklungsstandes stehen, sondern sucht sich die Zone der nächsten Entwicklung
  • Um die nächste Zone der Entwicklung zu erreichen, werden geeignete Angebote und Maßnahmen ermittelt

Förderdiagnostik ist ganzheitlich und kompetenzorientiert

  • Erfassung der Gesamtpersönlichkeit
  • Einbezug von Fähigkeiten, Kompetenzen, Stärken, Neugier, Vorlieben, Interessen
  • Abneigungen, Vermeidungen

Bei der Förderdiagnostik ist Beobachtung ein sehr wichtiges Diagnoseinstrument. Durch unseren frühen Kontakt zu den Schulneulingen erhalten wir die Möglichkeit, in einer ersten Beobachtung einen Eindruck von den Kindern zu bekommen.

Zudem können bei Bedarf auch Tests zur Überprüfung der verschiedenen Entwicklungsbereiche durchgeführt werden. Tests sind nicht ausschlaggebend und die Beobachtung als Diagnoseinstrument ist bei einer ganzheitlichen Betrachtung eines Kindes unverzichtbar, allerdings können sie Hinweise bezüglich Stärken und Schwächen geben und somit die Beobachtungen bestätigen oder aber in Frage stellen, so dass eine genauere Überprüfung entscheidend sein könnte.

Ziel einer jeglichen Beobachtung und anderer Mittel der Förderdiagnostik ist die Erstellung eines Förderplans.

4.4 Förderplanung der Aggertalschule Donrath

Das AO-SF endet mit Vorschlägen der individuellen Förderung des Kindes: Die sonderpädagogische Förderung ist ein Versprechen, das es einzuhalten gilt! Hierfür wird ein Förderplan formuliert. Ein Förderplan nutzt den Schülern wie auch den Lehrern. Er gilt als Arbeitsplan, den es nach Möglichkeit einzuhalten gilt. Wenn nicht, wird er evaluiert und eventuelle Verbesserungen werden verschriftlicht.

Die Förderpläne der Aggertalschule Donrath sind folgendermaßen aufgebaut:

  1. Skizzierung des aktuellen Ist-Standes bzgl. der betreffenden Entwicklungs-  und Lernbereiche (Deutsch etc.), lebenspraktischer Förderung und besonderer Situationen (Pflegefamilie, Trennung der Eltern, etc.)
  2. Auswahl einiger (2-3) vordringlicher Entwicklungsbereiche ? Formulierung des Förderbedarfs (Teambeschluss)
  3. Formulierung konkreter Maßnahmen bezogen auf den Förderbedarf (für ein Schuljahr)
  4. Zwischenergebnisse und Auswertung

4.5 Förderung an der Aggertalschule Donrath

„Fördern heißt entwicklungs- und fachbezogenes Lernen“ zu ermöglichen (Schmischke/Braun 2008)

Die SchülerInnen werden, falls vorhanden, nach den entsprechenden Richtlinien und Lehrplänen ihrer individuellen Förderschwerpunkte oder aber auch nach den Grundschulrichtlinien unterrichtet.

Die Grundschullehrkräfte und die Sonderschullehrkräfte arbeiten sowohl bei der Planung als auch im Unterricht eng zusammen. Die SchülerInnen werden im Klassenverband und in Einzel- oder Kleingruppenunterricht betreut, der in der Regel in einem extra ausgestatteten Raum erfolgt. Dieser Raum bietet neben der Arbeit mit Schulmaterial und speziellem Material zur Förderung auch die Möglichkeit Entspannungseinlagen, Spiele und Psychomotorik durchzuführen. Die Absprachen zur Förderung finden in den Stufenteams der jeweiligen Stufe statt. An unserer Schule wird jede Klasse durch eine Sonderpädagogin „betreut“. Konkret bedeutet dies, dass momentan jede Klasse ca. 3-5 Std., max. 6 Std. pro Woche zusätzlich zur jeweiligen Grundschullehrkraft mit einer Sonderpädagogin besetzt ist. Den größten Teil der Stunden unterrichtet die Grundschullehrkraft alleine in der Klasse.

Die SchülerInnen haben Anspruch auf eine individuelle und differenzierte Förderung. Diese Förderung kann man an der Aggertalschule Donrath an folgenden Aspekten festmachen:

  • -          Manche SchülerInnen bekommen spezielle Materialien, evtl. ihrem Förderschwerpunkt und damit ihrem Leistungsvermögen angepasst (insb. bei zieldifferenter Förderung)
  • -          Manche SchülerInnen bekommen gesonderte Unterstützung durch die Grundschullehrkraft und/oder die Sonderpädagogin um zielgleich unterrichtet werden zu können
  • -          Bei Bedarf werden gesonderte Fördergruppen zu bestimmten Schwerpunkten gebildet
  • Die SchülerInnen werden im Unterricht in der Gesamtgruppe (unterstützend zu gleichen fachlichen Inhalten) oder in Einzelförderung oder in kleinen Gruppen außerhalb des Klassenunterrichtes mit lehrplanorientierten und förderschwerpunktspezifischen Inhalten gefördert
  • Für Kinder mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf wird jedes Jahr ein Förderplan erstellt, in dem der Ist-Stand, die Förderziele und konkrete Fördermaßnahmen festgehalten werden
  • Der Förderplan wird halbjährlich evaluiert
  • Bei Kindern mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf findet eine jährliche Überprüfung des Förderbedarfes statt
  • Regelmäßige Elterngespräche

5. Literaturverzeichnis

Boenisch, J. (2002): Planung von Unterricht als konstruktivistischer Prozess. In: Boenisch, J. / Daut, V. (Hrsg.): Didaktik des Unterrichts mit körperbehinderten Kindern. Stuttgart. 46-62.

Braun, D. / Schmischke, J. : Kinder individuell fördern . Berlin 2008

Entwurf eines Gesetzes zum Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 13. Dezember 2006 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, 2008.

KMK (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland) (2002): Richtlinien für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung (Entwurf). Stand: Februar 2002

Kretschmann, R. (2006): Die Zone der nächsten Entwicklung ermitteln. Prozess- und curriculumsorientierte Diagnostik und Förderung. Friedrich Jahreshefte S. 50-53

Leitfaden zur Durchführung der Verfahren nach der AO-SF des Rhein-Sieg-Kreises 2009

Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (Schulgesetz NRW – SchulG)

vom 15. Februar 2005, zuletzt geändert durch Gesetz vom 27. Juni 2006

Verordnung über die sonderpädagogische Förderung, den Hausunterricht und die Schule für Kranke, Ausbildungsordnung gemäß § 52 SchulG - AO-SF.

Wiedlak, Christian / Witt, Helma: Förderplan(ung ). In: Sonderpädagogische Förderung in NRW – Mitteilungen des Verbandes Sonderpädagogik e.V. Landesverband NRW Heft 3/2004

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